
Hi {{FIrst name}},
Ich hab am Wochenende die Doku von Grok Bot gelesen. Nicht die Launch-Seite, sondern die FAQ.
Da steht ein Satz drin, den ich in keinem der hundert Vergleiche gefunden habe, die seit dem 11. August durch meinen Feed laufen: Jeder Bot auf deinem Account nutzt denselben Cloud-Computer, sie teilen sich dessen Dateien, Browser-Sessions und Logins. Direkt danach die Warnung, separate Bots nicht als Sicherheitsgrenze zu verwenden.
Wortgleich nochmal auf der Security-Seite. xAI schreibt das selbst hin.
Und die Launch-Seite? Die sagt, jeder Bot hat seinen eigenen Computer.
Warum alle auf der falschen Ebene vergleichen
Seit dem Launch läuft überall dasselbe Muster. Managed gegen Open Source. 300 Dollar gegen kostenlos. Bequem gegen frickelig.
Das ist die Produktebene, und auf der Produktebene laufen Grok Bot und Hermes gerade aufeinander zu. Beide zeigen dir eine Liste benannter Kollegen mit Namen, Rolle, Gedächtnis, Werkzeugen und Übergaben. Wer nur die Oberfläche vergleicht, zählt Features und übersieht die Entscheidung.
Interessant wird es eine Schicht tiefer. Da gibt es fünf Fragen: Wo läuft die Ausführung, was trennt zwei Bots wirklich voneinander, wer entscheidet über das Modell, was ist der wiederverwendbare Baustein, und wie dürfen Agents mit Systemen außerhalb ihrer selbst reden.
Auf diesen fünf Achsen sind die beiden nicht ähnlich, sondern gegensätzlich.
Kurz zur Einordnung, damit du weißt woher meine Sicht kommt: Hermes läuft bei mir seit Monaten produktiv auf einem eigenen VPS. Grok Bot hab ich nicht selbst getestet, alles dazu kommt aus der offiziellen Doku und der Berichterstattung. Wo ich unsicher bin, schreibe ich das hin.
Achse 1: Was einen Bot vom anderen trennt
Das ist die Achse mit dem größten Unterschied, und die einzige, bei der ich sagen würde, dass eine Seite ein echtes Problem hat.
Bei Grok Bot bekommt jeder Bot einen eigenen Bildschirm auf einer gemeinsamen Maschine. Die Doku nennt diese Bildschirme Arbeitsflächen und stellt ausdrücklich klar, dass sie keine Sicherheitsgrenzen sind.
In der Praxis heißt das: Du meldest dich einmal für deinen Sales-Bot im CRM an, und dein Recherche-Bot hat dieselbe Session offen. Der Recherche-Bot ist derjenige, der fremde Webseiten aufmacht, deren Inhalt du nicht kontrollierst. Die Trennung, die du im Interface siehst, existiert unten drunter nicht.
Bei Hermes ist ein Bot ein Profil, und ein Profil ist ein eigenes Verzeichnis auf der Platte. Eigene Konfiguration, eigene Schlüssel, eigene Erinnerungen, eigene Skills, eigene Cronjobs.
Ein ehrlicher Nachsatz gehört dazu, sonst macht man denselben Fehler in die andere Richtung: Getrennter Zustand ist noch keine getrennte Ausführung. Verschiedene Hermes-Verzeichnisse bauen keine Betriebssystem-Sandbox um jeden Befehl. Wer jeden Hermes-Bot als vollständig isoliert bezeichnet, übertreibt genauso.
Der Unterschied bleibt trotzdem groß. Bei dem einen kannst du eine Grenze ziehen und musst es bewusst tun. Bei dem anderen sagt dir der Hersteller selbst, dass du sie nicht ziehen kannst.
Achse 2: Wer das Modell auswählt
Der Standardsatz dazu lautet, Grok nutze Grok und Hermes unterstütze viele Modelle. Das trifft es nur halb.
Der eigentliche Punkt ist, dass Hermes den Agent vom Modell entkoppelt. Es gibt einen Hauptmodell-Slot und getrennte Slots für Nebenaufgaben wie Kompression, Bildverstehen oder Skill-Suche. Ein Wechsel ist ein Kommando, kein Umbau. Damit hängt die Identität eines Agents nicht mehr an einem Modell.
Bei Grok Bot habe ich in der öffentlichen Doku keine nutzerseitige Modellwahl gefunden. Frühe Tester berichten, das Produkt habe intern nicht durchgehend Grok verwendet. Bestätigen kann ich das nicht. Fest steht nur, dass du es nicht steuern kannst.
Bei mir läuft der wichtigste Prozess auf einem GLM-Modell über Ollama, lokal auf meinem VPS. Kein Anbieter dazwischen, keine Tokenrechnung, und der Newsletter-Text meiner zahlenden Mitglieder verlässt die Maschine nie.
Diese Option gibt es bei Grok Bot schlicht nicht. Für manche Inhalte ist das die einzige Frage, die zählt.
Achse 3: Was der wiederverwendbare Baustein ist
Hier zeigen beide in dieselbe Richtung, und ich halte das für die wichtigste Entwicklung des Jahres. Ein brauchbarer Agent sollte nicht jeden Ablauf bei null neu erfinden.
Grok Bot löst das über Vormachen. Du zeigst dem Bot eine Aufgabe, er schaut zu, bis zu zehn Minuten ohne Ton, und schlägt daraus einen Skill vor. Das ist die niedrigste Einstiegshürde, die ich bisher gesehen habe. Für jemanden, der noch nie einen Prompt geschrieben hat, ist das ehrlich gesagt die beste Idee des ganzen Produkts.
Hermes speichert Skills als Dateien im offenen Format. Eine Markdown-Datei mit Anleitung, teilbar, versionierbar, in ein Repository legbar.
Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern im Aggregatzustand. Bei Grok Bot ist der Skill ein Eintrag im Produkt, bei Hermes eine Datei, die du woanders wieder einlesen kannst.
Und das führt zu der Frage, die mich am meisten beschäftigt: Was, wenn der dauerhafte Wert eines Agents nicht sein Gedächtnis ist, sondern die Bibliothek an Abläufen, die er beherrscht?
Wenn das stimmt, ist die Frage nach dem besseren Produkt nachrangig gegenüber der Frage, wem diese Bibliothek gehört.
Was beides ehrlich kostet
Grok Bot hat keinen eigenen Preis. Zugang läuft über SuperGrok Heavy bei rund 300 im Monat, Cursor Ultra bei 200 oder Cursor Teams Premium bei 120 pro Sitz. Wöchentliches Kontingent inklusive, darüber hinaus wird nach Tokens abgerechnet. Kein Gratistarif, keine Ausgabenobergrenze zum Start.
Bei Hermes kostet die Software null. Das ist die halbe Wahrheit, und die andere Hälfte fehlt in fast jedem Vergleich.
Du brauchst trotzdem einen Ort zum Ausführen und irgendeine Form von Inferenz. Bei mir ist das ein VPS plus lokales Modell, damit liegen die laufenden Kosten praktisch auf der Serverrechnung. Wer Hermes mit einem großen Frontier-Modell im Dauerbetrieb fährt, landet schnell über Cursor Ultra.
Es gibt keine ehrliche Einzelzahl für die Kosten von Hermes, ohne dass man Arbeitslast und Modellwahl dazusagt. Wer dir eine nennt, hat sich das Rechnen gespart.
Wer gewinnt
Falsche Frage. Die beiden optimieren zwei verschiedene Definitionen von Zusammenarbeit mit einem Agent.
Grok Bot will die operative Reibung wegnehmen. Wer echte Arbeit abgeben will, ohne einen Agent-Stack zu betreiben, bekommt dort das rundeste Produkt, das es gerade gibt.
Hermes will die architektonische Festlegung wegnehmen. Wer Modelle tauschen, Zustände trennen und Agents über offene Grenzen hinweg verbinden will, findet dort deutlich mehr.
Die Oberflächen gleichen sich weiter an, bis beide wie eine Mannschaftsliste aussehen, die auf Aufträge wartet. Die Liste ist aber nicht die Architektur. Sobald diese Agents Zugangsdaten halten, Rechner steuern und sich gegenseitig Befugnisse übertragen, ist das, was darunter liegt, der wichtigste Teil des Produkts.
Happy Building! Sascha
Der portable Kern
Die spannendere Frage ist nicht, welches der beiden du nimmst. Sondern wie viel von deinem System überhaupt in einem von beiden liegt. Im morgigen Member Newsletter bekommst du:
Die vier Schichten, die außerhalb jedes Tools liegen müssen
Den 8-Punkte-Check inklusive Wechselzeit-Schätzung, angewendet auf meinen eigenen Newsletter-Prozess
Den kompletten Skill als Copy-Paste-Datei plus die Kurzfassung als Prompt
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