
Hi {{FIrst name}},
Am 12. Juni waren zwei Anthropic-Modelle plötzlich weg. Weltweit, über Nacht, für zweieinhalb Wochen.
Kein Bug, keine Überlastung. Das US-Handelsministerium hatte Exportkontrollen erlassen, und Anthropic hat sie umgesetzt.
Ich benutze Claude Code jeden Tag und liebe es. Genau deswegen habe ich mich danach hingesetzt und getestet, was passiert, wenn es mal nicht da ist.
Das Problem sitzt nicht im Vertrag, es sitzt im Kopf
Die meisten von uns behandeln ihren KI-Anbieter als eine Sache. Wir sagen "ich arbeite mit Claude" und meinen damit gleichzeitig das Produkt und die Intelligenz dahinter.
Diese Verschmelzung ist der eigentliche Lock-in.
Denn sie führt dazu, dass du bei jedem Preisschritt, jedem Rate Limit und jedem Ausfall glaubst, dein komplettes Setup steht zur Debatte. Dabei geht es fast immer nur um eine von zwei Schichten.
Und ehrlich: die Preise, die du heute pro Million Token zahlst, sind Investorenpreise. Sie sind eine Marktanteilssubvention, keine Kostenrechnung. Die BIS hat Ende Juni einen Einbruch der KI-Investitionen als einen der drei größten Risikofaktoren für die globale Finanzstabilität benannt. Die fünf größten Hyperscaler geben dieses Jahr zusammen über eine Billion Dollar aus, teilweise schuldenfinanziert.
Du musst dazu keine Meinung haben. Du solltest nur wissen, dass dein Preis nicht in Stein steht.
Harness und Hirn
Hier ist die Trennung, die bei mir tatsächlich was verändert hat.
Das Harness ist das Produkt. Bei Claude Code also die Terminal-Integration, das Tool-Calling, die Permissions, das Filesystem-Handling, die Skills, die Art wie ein Agent einen Plan macht und abarbeitet. Da steckt die Arbeit von hunderten Engineers drin.
Das Hirn ist das Modell. Es liefert die Intelligenz, und es ist austauschbar.
Ein Befehl, und du behältst das Werkzeug und tauschst nur die Schicht darunter:
ollama launch claude --model kimi-k2.7-code:cloudKimi K2.7 Code kommt von Moonshot AI, hat über eine Billion Parameter und ein Kontextfenster von 256.000 Token. Meine Skills, meine Ordnerstruktur, meine Gewohnheiten blieben unverändert.
Wer diese Trennung einmal verstanden hat, arbeitet weiter wie bisher und hat trotzdem eine Tür, die offen bleibt.
Bauen und Ausrollen sind zwei verschiedene Jobs
Der konkrete Fall: Ich betreibe eine Skill-Library als Content Engine für meine Kunden. Kommt ein neuer Skill dazu, muss ich das Plugin bei allen bestehenden Kunden nachziehen.
Den Skill selbst habe ich mit Fable 5 gebaut. Beim Entwurf will ich die beste verfügbare Intelligenz, da spare ich nicht.
Für das Ausrollen habe ich testweise auf Kimi K2.7 umgeschaltet. Ergebnis: schneller als mit Opus, bei einem Bruchteil der Kosten.
Und genau da liegt der Punkt, den fast niemand macht. Der Entwurf braucht Urteilsvermögen. Die Ausführung braucht Zuverlässigkeit und Durchsatz. Die meisten von uns werfen beide Jobs gegen dasselbe teure Modell, einfach weil es schon offen ist.
Spoiler: Das ist die Stelle, an der sich ein Modellwechsel sofort rechnet, ohne dass irgendwo Qualität verloren geht.
Da bastelt niemand rum, das ist Einkauf
Falls du denkst, das sei ein Hobbyprojekt von Leuten mit zu viel Zeit: Lindy hat hundert Prozent des API-Traffics von Anthropic zu DeepSeek verlagert. Coinbase-CEO Brian Armstrong hat öffentlich gemacht, dass sein Unternehmen mit GLM 5.2 und Kimi 2.7 die KI-Ausgaben fast halbiert hat, obwohl der Tokenverbrauch gestiegen ist.
Shopify hat eine GPT-5-Pipeline durch ein selbst gehostetes Qwen-3-Setup ersetzt und berichtet von fünfundsiebzigfach niedrigeren Stückkosten bei besserer Qualität.

Keine dieser Firmen hat aufgehört, gute Werkzeuge zu benutzen. Sie haben nur aufgehört, Werkzeug und Modell für dasselbe zu halten.
Übrigens läuft der Druck inzwischen auch nach oben. Anthropic wollte Fable 5 ab dem 22. Juni aus den Abos nehmen, hat die Frist dreimal verschoben und es dann doch dauerhaft in Max behalten, bei halbierten Limits. Ein Anbieter, der keinen Wettbewerbsdruck spürt, verschiebt seine Deadline nicht dreimal in fünf Wochen.
Wichtig, damit wir uns nicht falsch verstehen
Ein Kimi-Account gibt dir keine Datensouveränität. Ollama Cloud auch nicht. Deine Daten verlassen Europa dort genauso wie bei einem US-Anbieter, nur in die andere Richtung.
Open Weights lösen ein anderes Problem: sie geben dir Austrittsfähigkeit. Wenn die Gewichte öffentlich sind, kann dir niemand den Zugang abdrehen, den Preis verdreifachen oder das Modell abkündigen.
Souveränität ist ein Zustand. Austrittsfähigkeit ist eine Option. Und Optionen werden genau dann wertvoll, wenn es unruhig wird.
Dein Test für Freitag
Kein Abo, keine Migration.
Nimm eine echte Aufgabe aus deiner laufenden Woche. Am besten etwas Wiederkehrendes, das du sowieso ausrollen musst. Lass sie einmal mit deinem Standardmodell laufen und einmal mit einem Open-Weight-Modell im selben Harness.
Notier dir vier Zahlen: Dauer, Anzahl deiner Eingriffe, fehlgeschlagene Tool Calls, Kosten.
Nach einer Stunde weißt du, was dein Exit tatsächlich wert wäre. Vielleicht kommt raus, dass du beim Frontier-Modell bleibst. Völlig legitim, und trotzdem ein anderes Ergebnis als vorher, weil du es jetzt gemessen hast statt angenommen.
Die Leute, die im nächsten Abschwung Probleme bekommen, sind nicht die mit dem teuren Anbieter. Es sind die, die nie getestet haben, ob es auch anders geht.
Happy Building! Sascha
Die Modellwahl für Agents mit vielen Tool Calls
Mein Hermes-Agent macht in einem Durchlauf sehr viele Tool Calls. Lokal bin ich damit gescheitert, über Ollama Cloud lief es, aber die Modellwahl entscheidet dort alles. Im heutigen Paid Newsletter gehe ich tiefer:
Warum agentische Workloads ein völlig anderes Auswahlkriterium brauchen als Textarbeit
Meine komplette Ollama-Konfiguration für Claude Code und Codex, inklusive Fallback-Logik
Ein Copy-Paste Eval-Template, mit dem du zwei Modelle an derselben Aufgabe misst
Die Colibrì-Ehrlichkeit: was 744 Milliarden Parameter auf deinem Rechner wirklich bedeuten
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