
Hi {{FIrst name}},
ich plane seit Jahren rückwärts. Als ich vom Tanzen in die Softwareentwicklung gewechselt bin, gab es keinen Lehrplan. Also habe ich mir angeschaut, wo ich hinwill, und von dort zurückgerechnet, welche Schritte nötig sind.
Mit KI habe ich lange das Gegenteil gemacht. Ich habe Claude die Aufgaben gegeben, die mir an dem Tag eingefallen sind. Diese Woche habe ich das umgedreht, und das war echt krass.
Du nutzt deinen Agent wie eine Suchmaske
Die meisten fragen ihren Agent nur nach Dingen, die sie ihm sowieso zutrauen. Mail zusammenfassen, Post schreiben, Fehler erklären.
Damit ziehst du die Grenze, bevor der Agent überhaupt etwas sagen kann. Du kennst vielleicht 20 % von dem, was dein Setup kann, und im Alltag fällt dir davon nur ein Bruchteil ein.
Dein Agent sieht dagegen viel mehr. Er hat dein Memory, deine Mails, deinen Kalender, deine Aufgaben und alle Connectoren, die du irgendwann eingerichtet hast. Diesen Überblick verschenkst du, solange nur du die Aufgaben vorgibst.
Der Reverse-Prompt dreht die Richtung um
Vor ein paar Tagen ist mir dazu ein Post auf X begegnet. Die Idee ist so simpel, dass ich mich geärgert habe, nicht selbst drauf gekommen zu sein.
Du fragst deinen Agent: „Auf Basis dessen, was du über mich und meine Arbeit weißt, welche 5 produktiven Dinge könntest du für mich erledigen?“ Du suchst dir eine Aufgabe aus, lässt sie erledigen und stellst die Frage danach noch einmal.
Der Autor arbeitet damit regelmäßig seine ungelesenen Mails ab. Und je mehr Datenquellen angebunden sind, desto besser werden die Vorschläge.
Das funktioniert mit Claude genauso wie mit ChatGPT, weil beide inzwischen ein Memory über dich pflegen. Für mich ist das Reverse Engineering in Promptform: Ich gebe kein Wie mehr vor, Claude schaut auf meine Lage und rechnet zurück, was sich jetzt lohnt.
Warum der Loop nach drei Runden kippt
Die ersten Runden fühlen sich großartig an. Ab Runde drei oder vier passieren aber drei Dinge, die im Post nicht stehen.
Die Vorschläge werden generisch, wenn dein Agent wenig über dich weiß. Dann bekommst du „Ich könnte deine Woche planen“, also das, was er jedem vorschlagen würde.
Dazu meldet der Agent gern „erledigt“, obwohl die Arbeit nur halb fertig ist. Bei einer unscharfen Aufgabe löst ein Modell schnell eine leichtere Nachbaraufgabe und berichtet stolz davon.
Und der gefährlichste Punkt: Mit E-Mail-Connector kann der Agent handeln. Eine verschickte Mail holst du nicht zurück.
Am Modell liegt das alles nicht. Es fehlt das, was in der Agent-Szene Harness heißt, also alles um das Modell herum: was es lesen darf, welche Tools es auslösen kann, was über die Session hinaus erhalten bleibt und wann es stoppen muss.
Der Task-Loop: fünf Stationen statt einer Frage
Ich habe den Reverse-Prompt deshalb um die Stellen ergänzt, an denen er sonst kaputtgeht. Ich nenne das den Task-Loop, und jede Runde läuft durch fünf Stationen.
Zuerst schlägt Claude dir fünf Aufgaben vor, ausgerichtet auf dein Ziel für die nächsten 90 Tage. Dann wählst du eine aus, und diese Entscheidung bleibt in jeder Runde bei dir.
Bevor Claude loslegt, hält es in einem kurzen Vertrag fest, was rauskommt, was es nicht anfasst und woran ihr erkennt, dass es fertig ist. Danach führt Claude aus und prüft das Ergebnis als skeptischer Reviewer gegen diesen Vertrag, bevor es „erledigt“ sagt.
Zum Schluss wandert das, was Claude über dich gelernt hat, ins Memory. Genau diese letzte Station macht den Unterschied, weil die nächste Runde dadurch klüger startet als die letzte.
Spoiler: Die Ziel-Zeile ist der eigentliche Upgrade. Ohne Ziel optimiert Claude auf „produktiv“, mit Ziel rechnet es rückwärts auf das hin, was dir wirklich wichtig ist.
Eine Regel ist mir dabei besonders wichtig: Mails, Nachrichten und Termine legt Claude nur als Entwurf an. Und zusätzlich stellst du in den Connector-Einstellungen das Senden auf Freigabe oder schaltest es ab, wo dein Tool das erlaubt. Die Regel im Prompt ist eine Bitte, die Sperre im Connector ist eine Garantie.
Wo die eigentliche Arbeit steckt
Der Prompt selbst ist in zwei Minuten kopiert. Die meiste Denkarbeit steckt woanders: in den Tools, die du verbindest.
Claude kann nur rückwärts rechnen, wenn es sieht, wo du gerade stehst. Mit Mail und Kalender bekommst du Vorschläge für deinen Alltag. Hängen dazu deine Aufgaben, deine Zahlungen und deine Produktdaten dran, bekommst du Vorschläge für dein Business.
Und nimm immer nur einen Vorschlag pro Runde. Die Versuchung ist groß, alle fünf auf einmal anzustoßen. Dann verlierst du aber genau die Kontrolle, die der Loop dir geben soll.
Dein erster Schritt heute ist super simple: Verbinde mindestens E-Mail und Kalender, sichere das Senden ab und fahr drei Runden. Achte darauf, welche Vorschläge wiederkommen. Das sind deine besten Kandidaten für einen festen Workflow.
Happy Building
Sascha
Der komplette Task-Loop zum Kopieren
Im morgigen Member Newsletter gehe ich tiefer:
meinen eigenen Lauf: welche fünf Aufgaben Claude mir für mein 90-Tage-Ziel angeboten hat
den vollständigen Task-Loop-Prompt mit allen fünf Spielregeln
die Landkarte für dein Projekt, damit die Vorschläge ab Runde eins spezifisch sind
den Prüf-Prompt und die Claude-Code-Variante mit gesperrten Sende-Befehlen
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